Was sind interaktive Videos / H5P-Inhalte?
Als zum Ende des 19. Jahrhunderts der Fernseher entwickelt wurde, begann die Zeit, in der Videos ihren Einzug in unseren Alltag gefunden haben. Das große Problem war, dass es damals nur einen Kanal gab. Selbst zum Ende des 20. Jahrhunderts beschränkte sich die Interaktivität noch auf die Auswahl des Fernsehkanals und die Möglichkeit, im Videotext für Umfragen anzurufen. Die Einführung des Internets und vor allem des Web 2.0 hob die Interaktivität zum Medium Film auf eine ganz neue Ebene. Die größte Videoplattform Youtube bietet die Möglichkeit für direkte Bewertung des Videos, Kommentare und mittlerweile können während eines Videos sogar direkt Umfragen geschaltet werden. Der aktuelle Höhepunkt der Interaktivität sind allerdings Livestreams, in denen die Aufnahme des Youtubers direkt auf Geräte in der ganzen Welt übertragen werden kann. Gleichzeitig können im Chat Fragen gestellt werden, die der Streamer dann live beantworten kann. In Hochschulen werden solche Techniken bereits praktiziert. Ob das allerdings die Zukunft der Bildung in den Schulen ist, bleibt abzuwarten.

Dennoch bieten die neu gewonnene Interaktivität großes Potential für die Schule. Ein Beispiel dafür ist das Format H5P. Dieses nimmt ein Video (von der Festplatte oder direkt von Youtube) und hinterlegt auf diesem Video interaktive Fenster. Zum Beispiel wird das Video pausiert und eine Multiple-Choice-Frage eingeblendet. Nach der Bearbeitung der Frage wird das Video automatisch weiter abgespielt. Am Ende des Videos kann die Gesamtpunktzahl aus allen Aufgaben eingeblendet werden. Dabei sind sehr komplexe Verknüpfungen unter der Vielzahl von unterschiedlichen interaktiven Elementen möglich. Ich selbst habe hier bisher nur an der Oberfläche gekratzt und dieses interaktive Video ist dabei heraus gekommen. Die interaktiven Inhalte sind mit kleinen Punkten über der Zeitleiste gekennzeichnet.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
Im Konzept Flipped Classroom gibt man den Schülerinnen und Schülern Videos als Hausaufgabe mit, um im Unterricht mehr Zeit für individuelle Förderung zu haben. Diese Videos anzuschauen reicht aber nicht, um den Inhalt zu lernen. Deshalb sind Begleitaufgaben für die Videos ein wesentliches Element dieses Konzeptes. Sind die Videos jedoch interaktiv, können die Begleitaufgaben im Rahmen des Videos selbst gestellt werden. Außerdem kann eine Umfrage innerhalb des Videos erstellt werden. Die Ergebnisse können hinterher anonym ausgelesen werden.

Anspruch und Aufwand:
Das Arbeiten mit H5P ist derzeit nicht ganz einfach. Man braucht eine Plattform, in der diese Inhalte dargestellt werden können. Ich konkret arbeite mit einer Homepage auf WordPress-Basis, in der ich H5P installiert habe. H5P kann auch in Moodle oder z.B. im Bildungsserver des IQSH integriert werden. Das setzt also voraus, dass man eine Homepage hat und mit WordPress umgehen kann. Die Grundlagen der Arbeit mit H5P selbst sind dann relativ schnell erlernt und umgesetzt. Die Vielzahl der unterschiedlichen Formate lassen viel Spielraum nach oben.
Für Lehrkräfte sehe ich drei Alternativen. Wer schon eine Homepage besitzt, sollte H5P dringend ausprobieren. In unserer Schule wird allerdings die Schulhomepage mit WordPress erstellt. Es bestünde also die Möglichkeit, die H5P-Inhalte direkt im Rahmen der Schulhomepage zu erstellen und zu veröffentlichen. Ob das gewollt ist und umgesetzt werden kann, muss dann vor Ort besprochen werden. Sollte die Möglichkeit weder über eine eigene, noch über die Schulhomepage gegeben sein, ist H5P aktuell ein zu großer Aufwand für den Nutzen, den es bringt. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass in den nächsten Jahren unterschiedliche Videoplattformen (wie z.B. Youtube) solche Features in ihr Repertoire integrieren werden und dadurch die Erstellung interaktiver Inhalt deutlich einfach und zeitsparender wird.