Gliederung
1. Lernvideos erstellen – Wie aufwändig ist es wirklich?
2. Beispielvideos
3. Arten von Lernvideos
4. Schritt für Schritt zu guten Lernvideos
5. Lernvideos organisieren und verfügbar machen
6. Lernvideos von Lernenden erstellen lassen
7. Material für Lernvideos erstellen und finden

Lernvideos erstellen – Wie aufwändig ist es wirklich?

Zu Beginn möchte ich erstmal 2 große Zweifel relativieren. Viele Leute denken, ein Lernvideo zu erstellen dauere sehr lange und sei super kompliziert. Die folgenden beiden Videos geben einen kleinen Eindruck darüber, wie viel Arbeit in einem Lernvideo stecken kann:

Ein Lernvideo in 5 Minuten? von KaeptnKeks.
Wie ein Profi ein Lernvideo erstellt von MrWissen2go.

Wenn man will, kann man ein extrem aufwändiges Video nach allen Regeln der Kunst mit komplexen Animationen produzieren. Dann braucht man Wochen, um sich in die Software dafür einzuarbeiten, gibt vielleicht nebenbei eine Menge Geld aus und sitzt ewig an einem einzelnen Video. Man kann aber auch einfach eine Kamera nehmen, und das, was man (als Lehrer) sowieso jeden Tag erklärt, einfach mal filmen.
Das Geheimnis für ein richtig gutes Lernvideo liegt irgendwo dazwischen. Der Trick ist hierbei, effizient und schnell zu sein, ohne sich und unnötigen Details zu verlieren. In 20% der Zeit, schafft man 80% der Arbeit. Das gilt auch für das Erstellen von Videos. Wenn man den hausgemachten und unnötigen Perfektionismus ablegt, ist das Erstellen von Lernvideos eine relativ einfache und schnelle Angelegenheit.
Als Beispiel möchte ich die Videos vom Youtube-Kanal funsciencedemos nennen. Auf diesem Kanal nimmt sich der Gastgeber Jared einfach dabei auf, wie er Experimente durchführt und erklärt, wie sie funktionieren. Dabei wird auf das Schneiden und Bearbeiten der Videos fast vollständig verzichtet und dadurch der Zeitaufwand für die Videoproduktion miniert. Jedes Video erfordert natürlich Vorbereitungszeit. Aber das ist am Ende oft die Vorbereitung, die wir für unseren Unterricht sowieso erledigen müssen. Der Herr Sebastian Schmidt zum Beispiel verfolgt die Philosophie, kleine nicht ganz so professionelle Videos für den täglichen Unterricht zu drehen, was nicht länger als seine normale Unterrichtsvorbereitung dauert.

Beispielvideos

In der folgenden Übersicht habe ich, sortiert nach Fächern, ein paar Beispiele für Lernvideos zusammengestellt. Solche Videos können von jedem Lehrer innerhalb eines Nachmittages erstellt werden, sobald man sich in die entsprechende Software eingearbeitet hat. Dabei bekomme ich oft den Satz „In meinem Fach XY kann man mit Lernvideos nicht so viel anfangen“. Ich vertrete fest die Ansicht, dass die Vorteile von Videos in jedem Unterrichtsfach sinnvoll eingesetzt werden können, wenn man sich dieser Vorteile bewusst wird und sie in den didaktischen Planungen berücksichtigt. Um einen kleinen Eindruck davon zu geben, wie Videos in unterschiedlichen Fächern aussehen können, habe ich hier Beispiele für unterschiedliche Schulfächer gesammelt.

Deutsch

Mathe

Rhetorische Mittel

Gedichtsanalyse

Zufallsvariablen

Parameter

Englisch

Französisch

Zeitformen

Irregular verbs

Gallizismen

Zeitformen

Physik/Chemie

Erdkunde

Wasser

Stromkreisläufe

Taupunkt

Erosion

Musik

Kunst

Akkorde

Hallelujah

Bob Ross

Picasso

Sport

Geschichte

Stabhochsprung

Fußballübung

Französ. Revolution

Mitteleuropa im Zeitraffer

Biologie

 Religion

Osmose

Mitose Die Passion Christi

Arten von Lernvideos nach Produktion

Es gibt viele unterschiedliche Arten, Lernvideos zu erstellen. Als Lehrkraft sollte man dabei darauf achten, einen Stil zu finden, den man persönlich ansprechend findet und der möglichst wenig Arbeitsaufwand mit sich bringt. Unterschiedliche Arten von Lernvideos findet man besonders oft im Internet, weil sie gleichzeitig ansprechend und leicht zu erstellen sind.

Die Liveaufnahme ist sehr weit verbreitet, weil sie nur ein Minimum an Fähigkeiten im Umgang mit einem Computer erfordert. Man nimmt sich selbst beim Sprechen auf, stellt auf herkömmliche Weise (z.B. an einer Tafel) den Sachverhalt dar, den man erklären möchte. Nach der Aufnahme, muss das Video nur hochgeladen werden. Dem geringen Aufwand im Schneiden steht allerdings eine große Anforderung an die Erklärung selbst gegenüber. Man muss es schaffen, ohne lange Pause und ohne permanentes Ablesen den Sachverhalt strukturiert und anschaulich zu erklären. Außerdem können Tafelbilder oder Grafiken zwar während des Videos entstehen, das Zeichnen selbst nimmt aber Zeit in Anspruch. Dadurch entstehen dann zwangsläufig kleinere Pausen, die es schwer machen, dem Erklärenden zuzuhören.

Die Legetechnik ist ein sehr beliebter Ansatz, die Probleme der Liveaufnahme auszugleichen. Genau genommen ist ein Legetechnikvideo immernoch eine Liveaufnahme. Allerdings filmt man sich nicht selbst, sondern den eignen Schreibtisch. Abbildungen, Thesen und Informationen werden vorher in ausgedruckt und zum passenden Zeitpunkt in das Bild geschoben bzw. hineingelegt. Da das Bild außerdem aus einer Aneinanderreihung von Standbildern besteht, kann hinterher leicht editiert werden. Kurze Pausen oder Versprecher lassen sich leicht herausschneiden. Insgesamt wird das Video dadurch flüssiger. Außerdem können durch das Verwenden lebhafter Abbildungen schöne Geschichten erzählt werden.

Nicht unerwähnt bleiben sollen an dieser Stelle das Stop-Motion-Video und die Bilderstory. Die Bilderstory baut auf wenigen Bildern ähnlich einem Comic auf. Diese Bilder können dann mit Text vertont werden. Dadurch sind die Videos schnell und vor allem sehr einfach auch mit jungen Schülerinnen und Schülern erstellt. Beim Stop-Motion-Video werden kleine Bühnenbilder (zum Beispiel mit Lego-Figuren oder Knete) gebaut, um anschließend viele einzelne Fotos zu schießen, bei denen am Bühnenbild immer nur kleine Veränderungen gemacht werden. Durch das schnelle Abspielen dieser Fotos entsteht der Eindruck einer tatsächlichen Animation und durch die Arbeit mit gezeichneten und gebastelten Hintergründen sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Das Ergebnis sieht einem Video in der Legetechnik sehr ähnlich, hat aber einen ganz eigenen Stil.

Wenn man nun aber schon den Umgang mit einem Schnittprogramm erlernen muss, scheint es doch sinnvoll sein, auch die Abbildungen gleich digital in das Bild einfliegen zu lassen. Dadurch spart man sich die mühsame Liveaufnahme. Mit diesem Gedanken landet man in der Welt der animierten Lernvideos. Ich empfehle dabei dringend, vom herkömmlichen Gedanken „Ich drehe Videos im Programm X und schneide sie dann in Programm Y und spreche anschließend meinen Text in Programm Z darüber.“ von Beginn an Abstand zu nehmen. Diese Trennung resultierte früher daraus, dass ein Computer früher weder Kamera noch Mikrofon hatte. Dadurch mussten Bild und Ton mit Effekten in einem weiteren Programm zusammengefügt werden. Heute haben wir Tabletcomputer, bei denen wir in einer einzigen App gleichzeitig Videos drehen, schneiden und vertonen können. Man muss sich also nur in ein Programm einarbeiten. Hierfür gibt es unterschiedlichste Software und jedes Programm hat seine Möglichkeiten und Grenzen, seine Stärken und Schwächen und natürlich seinen Preis.
Ich arbeite auf meinem iPad aktuell mit dem Programm Explain Everything, welches neuerdings auch für Windows verfügbar ist. Ich habe dafür auf dem iPad 10€ bezahlt. Dieses Programm funktioniert vom Grundprinzip wie Powerpoint. Auf einer digitalen Tafel kann man Text und Bilder einfügen. Mit einem iPad Pro oder Microsoft Surface kann man auf der Tafel auch handschriftlich Inhalte festhalten. Anschließend vertone ich die Abbildungen im Aufnahme-Modus. Pausiert man die Aufnahme, können Markierungen und neue Abbildungen hinzugefügt werden. Hat man einen Frosch im Hals, scrollt man auf der Zeitleiste kurz zurück und beginnt den letzten Abschnitt neu, ohne ganz von vorne anfangen zu müssen. Für Explain Everything entschieden haben ich mich aus einfachen Gründen. Mir gefielen die Benutzeroberfläche und die Erklär-Videos auf Youtube. Mit den neuen Programmen und Updates, die ständig veröffentlicht werden, könnte man jeden Monat aufs Neue diskutieren, welches Programm das beste ist. Ich empfehle hier eines zu suchen, das einem spontan zusagt und sich dort dann intensiv einzuarbeiten und auch dabei zu bleiben. Denn Zeit, die man zur Einarbeitung in neue Software benötigt, fehlt einem hinterher, wenn man Lerninhalte erstellen möchte. Außerdem bringt mich persönlich die Einarbeitung in unbekannte Programme immer schnell an die Frustrationsgrenze. Außerdem sollte man hier auch darüber nachdenken, ein paar Euro zu investieren. Denn Software auch für neue Betriebssysteme Fehlerfrei und Virenfrei zu halten und dafür langfristig Support zu liefern, kostet einfach Geld. Kostenlose Software zu benutzen heißt also, mit Abstürzen und knapp gehaltenem Funktionsumfang zu arbeiten.

Einen anderen Ansatz verfolgt die kostenlose OBS („Open Broadcaster Software“). Dieses kostenlose Programm erstellt sogenannte Screencasts. Das bedeutet, dass man sich bestimmte Teile des Bildschirms („screen“) auswählen und aufnahmen oder übertragen („to cast“) kann. Neben dem Browser oder einen Programm, das auf dem PC läuft, können auch externe Quellen wie eine Webcam oder ein Mikrofon ausgewählt und frei angeordnet werden. Daraus resultieren nahezu grenzenlose Möglichkeiten. Zum Beispiel kann man eine Powerpoint-Präsentation live aufnehmen und kommentieren, während man sich selbst als Sprecher in einer Bildschirmecke einblendet. Oder man kann eine Aufnahme zur Bedienung eines Computerprogrammes erstellen, um zum Beispiel bestimmte Funktionen eines Textverarbeitungsprogrammes oder einer Dynamischen Geometriesoftware vorzustellen. Oder man kann vorführen, wie die Schülerinnen und Schüler auf den neuen digitalen Stundenplan zugreifen können. Oder man kann eine Videoaufnahme eines Experimentes aus dem Unterricht abspielen und live kommentieren. Hierbei muss man aber dringend beachten, dass dabei auch Urheberrechte verletzt werden können. Näheres dazu gibt es im Absatz „Material für Lernvideos erstellen und finden“.

Arten von Lernvideos nach didaktischem / methodischem Ziel

Die Auswahl einer bestimmten Produktionsart eines Lernvideos sollte stark von der didaktischen Zielsetzung abhängen und Effizienz und Wirkung maximieren. Ein paar Einsatzszenarien möchte ich hier vorstellen und die dafür passenden Videoarten darlegen.

Lernvideos zur Unterstützung des Unterrichts. Gerade beim problemorientierten Lernen muss man thematisch das Schulgebäude doch häufiger verlassen. Ein Alltagsproblem lässt sich aber auf einem Arbeitsblatt oder an der Tafel oft nur schwer darstellen. Hier können Videos ins Spiel kommen. Brüllende Dinosaurier, speiende Vulkane, Highspeedflugzeuge, exotische Tiere und fremde Kulturen werden seit Jahrzehnten von professionellen Kamerateams festgehalten (vielleicht mit Ausnahme der Dinosaurier) und im Internet findet man dazu mehr Videos, als man je schauen könnte. Dabei muss man aber vorsichtig sein. Ein 45-minütiger Film über Dinosaurier kann interessant sein. Fehlt die Verarbeitung des Wissens mit zusätzlichen Arbeitsaufträgen und die Reflexion des Gesehen, bleibt der Lernerfolg möglicherweise aus. Es bieten sich deshalb eher kurze Videoclips an, die im Unterricht zum Beispiel als Einstieg gezeigt werden können, um bei den Lernenden Interesse am Inhalt aufzubauen. Will man sich über Teilchenbewegungen bei Temperaturerhöhung unterhalten, haben Wigald Boning und Berhard Hoecker einen guten Unterrichtseinstieg vorbereitet, der knapp 4 Minuten dauert, aber so schnell nicht wieder vergessen wird. CNN Live liefert uns einen lebensnahen Einstieg für die Berechnung des Abstands zweier Geraden in der analytischen Geometrie. Der Film Madagaskar führt zu einer schönen Diskussion über Artgerechte Tierhaltung und ich wette, für diesen Bauchredner wird jeder Deutschlehrer einen guten Einsatz finden.

Lernvideos zum Nacharbeiten und Auffrischen. Schülerinnen und Schüler nutzen heute Videoplattformen wie Youtube, um sich dort Lernvideos zum Unterricht anzuschauen. Dadurch können sie alte Inhalte wieder auffrischen, ein Thema nachholen, das sie aufgrund von Krankheit oder Schulwechsel verpasst haben oder sich einfach etwas aus einer anderen Perspektive erklären lassen. Solche Videos sind komprimierte Lehrervorträge, die durch Animationen unterstützt werden können. Dadurch bieten sich im Unterricht vielfältige Möglichkeiten. Statt Wiederholungen mit der ganzen Klasse durchzuführen, können sich Schülerinnen und Schüler einzeln Videos zu ihren Problemen anschauen und daran dann konsequent arbeiten. Weitergehend kann sogar der ganze Lehrervortrag aus der Unterrichtszeit ausgeklammert und als Hausaufgabe angeschaut werden. So bleibt im Unterricht mehr Zeit für vertiefende Übungsaufgaben und direktes Feedback für einzelne Schüler. Die daraus entstandene Unterrichtsmethode nennt sich Flipped Classroom. Ein solches Videos sollte nicht länger als 5 Minuten dauern. Natürlich kann man bei einem Video pausieren und sich ein 20-minütiges Video in 4 Teile einteilen. Das tun Lernende in der Regel aber nicht. Statt dessen schalten sie nach 5 Minuten ab. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, Leerlaufzeiten (zum Beispiel durch Nachdenken oder Zeichnungen) in den Videos sehr kurz zu halten, da die Aufmerksamkeit der Lernenden sonst schnell vom Video abkommt. Viele Themen sind bereits im Rahmen kurzer Videos im Internet gelandet. Ich habe deshalb damit begonnen, Videos zu allen Schulthemen zu sammeln, bevor ich größere Projekte starte, in denen ich neue Videos erstelle.

Lernvideos für augmented Reality (z.B. Aurasma). Bei Augmented Reality geht es darum, beispielsweise ein Video in einer Kameraaufnahme einzublenden. Filmt man also ein Arbeitsblatt, kann dann über einer Grafik auf dem Arbeitsblatt ein Video abgespielt werden. Dieses eingeblendete Video hat dabei den Zweck, statt eines Standbildes eine kleine Bewegungsabfolge anzeigen zu lassen. Deshalb empfiehlt es sich, diese Videos wirklich sehr kurz zu halten. 10 Sekunden sind hier meist genug, um die Bewegungsabfolge beim Hochsprung, die Verschiebung eines Funktionsgraphen, die Färbung einer Chemikalie oder die Lösung eines Bilderrätsels zu zeigen. Längere Vorgänge können durch Videobearbeitung im Zeitraffer auf diesen kurzen Zeitraum komprimiert werden. Wird das Video wesentlich länger als eine Minute, kommt man sich beim Abfilmen mit der Kamera möglicherweise auch etwas doof vor. In diesem Zusammenhang sollte dann statt mit Augmented Reality lieber mit anderen Methoden wie QR-Codes, die auf Youtube verlinken, gearbeitet werden.

 

Schritt für Schritt zu guten Lernvideos

Nach diesem ganzen Input gibt es jetzt 3 Alternativen. Entweder findet man Lernvideos total blöd. Wenn man nicht dahinter steht, sollte man sie auch nicht einsetzen. Und das ist völlig in Ordnung, denn das Lernen mit Lernvideos ist nicht besser oder schlechter als ohne, es ist einfach nur anders. Oder man findet die oben dargestellten Lernvideos total super, möchte aber selbst nicht den Aufwand des Erstellens betreiben. Dann ist es dennoch von zentraler Bedeutung, die Videos sinnvoll zu sammeln und zu sortieren, um sie im Unterricht schnell wieder zu finden und für sich und seine Schülerinnen und Schüler verfügbar zu machen. Dazu gibt es im nächsten Absatz einiges zu lesen.
Sollte man allerdings jetzt total Lust haben, sich selbst man an der Erstellung eines solchen Videos auszuprobieren, habe ich hier einige hilfreiche Tipps und Starthilfen vorbereitet.

Das Wichtigste: ein Schritt nach dem anderen!

Natürlich wäre es schön, sofort ein Video mit tollen Animationen zu erstellen, das bitte auch gleich so aussieht. Das geht leider nicht. Hat man tatsächlich vor, beim ersten Versuch so ein komplexes Video zu erstellen, wird man frustriert aufgeben, bevor man ein halbwegs brauchbares Ergebnis erreicht. Und das ist nicht schlimm. Ein wirklich gutes Lernvideo braucht keine komplexen Animationen. Es braucht lediglich jemanden, der den Sachverhalt gut erklären und anschaulich darstellen kann. Und dafür sind wir Lehrer schließlich ausgebildet. Wenn jetzt aber ein Schritt nach dem anderen gesetzt werden soll, mit welchem Schritt fange ich an?

Schritt 1: Das erste Video – Kamera nehmen, loslegen!
Beim Drehen des ersten Videos ist das Ziel nicht, ein hochwertiges Video zu veröffentlichen, dass man Schülerschaft und Kollegium zeigen kann. Beim ersten Video geht es darum, einfach mal etwas zu filmen. Vielleicht sogar sich selbst beim Erklären an einer Tafel. Wir sind es gewohnt, täglich vor Publikum zu erläutern. Dabei aufgenommen zu werden und sich hinterher selbst betrachten zu können, ist ein sehr ungewohntes Gefühl und man hat beim ersten mal alleine vor der Kamera oft mehr Lampenfieber als vor 30 Schülerinnen und Schülern. Hat man sich das erste mal selbst aufgenommen, sollte man das Video auch hochladen. Es geht dabei nicht darum, die peinlichen ersten Versuche vor der Kamera zu veröffentlichen. Vielmehr ist da Ziel, ein Video von der Idee bis zu Veröffentlichung gebracht zu haben, um einen Eindruck davon zu bekommen, wo man selbst steht und wie viel Arbeit es wirklich ist. Ich empfehle als Plattform Youtube (wie und warum erkläre ich im nächsten Absatz), dort kann man das Video auch privat lassen, sodass man es nur selbst sehen und eventuell auch gleich wieder löschen kann. Es geht also nicht ums Veröffentlichen, sondern nur um das ausprobieren. Sollte man es an einem Nachmittag schaffen, ein solches Video zu erstellen und auf Youtube mit dem eigenen Account hochzuladen, hat man den größten Schritt bereits getan. Ein solches Video könnte dann schon so aussehen.

Schritt 2: Was will ich mit meinem Video erreichen?
Die Art des Videos ergibt sich letztlich aus dem didaktischen Hintergrund. Ein Experiment lässt sich gut live aufnehmen, Rechnungen oder Grammatikübungen können beim Anschreiben an eine Tafel gefilmt werden. Gerade auf kleinen Handybildschirmen, sind sie aber deutlich besser nachzuvollziehen, wenn der Bildschirm selbst wie eine Tafel verwendet wird. Aufwendig animierte Lernvideos werden im Lehreralltag eher selten erstellt, da sie viel Zeit verbrennen. Mit leichten Abstrichen können allerdings weniger aufwendige und genauso informative Videos erstellt werden. Ist eine Fachschaft gut koordiniert, könnten solche Videos für zentrale und immer wiederkehrende Themen arbeitsteilig erstellt werden. Außerdem findet man solche Videos auch immer häufiger im Internet von anderen Youtubern. Hier ist es wichtig, gute Videos zu sammeln und sinnvoll zu sortieren, damit sie im Unterricht genutzt werden können und nicht direkt wieder im ewigen Chaos des Internet verschwinden.
Das mit Abstand Wichtigste ist es aber, sich zu Beginn auf ein Format beziehungsweise Programm zu beschränken. Erstelle ich rin Lernvideo mit einer neuen App, dann sollte ich auch die nächsten 5 damit erstellen, um Sicherheit im Umgang mit dem Programm zu erhalten. Die ersten Videos mit einem neuen Programm dauern gerne 4- oder 5-mal so lange, wie die Videos nach der Einarbeitungszeit. Wenn man einen Eindruck bekommen möchte, welche Arten von Videos im Alltag erstellt werden könnten und welche Apps man dafür verwenden kann, lohnt sich ein Blick in das vorherige Kapitel „Arten von Lernvideos“.

Schritt 3: Das erste Drehbuch
Beim Drehen des ersten Videos wird einem vermutlich aufgefallen sein, dass man selbst beim Erklären schrecklich klingt. Keine Angst, das ist meistens nicht auf den Unterricht übertragbar. Der Gedanke, dass jetzt die Kamera oder das Mikrofon auf uns zeigt und jede kleine Sekunde und jedes Wort für ewig fest hält, setzt uns total unter Druck. Und plötzlich ist die Souveränität, die wir uns im jahrelangen Unterrichten angeeignet haben, dahin. Wir stottern und „Ähhhh“-en, als wäre es unsere erste Unterrichtsstunde. Natürlich kann man sich sagen „Ich kann jederzeit von vorne anfangen.“ und die Aufregung verfliegt immer mehr, je mehr Videos man erstellt hat. Um diesem Problem aber gerade zu Beginn entgegen zu wirken, sollte man sich kleine Drehbücher schreiben. Die können stichpunktartig, aber auch vollständig ausformuliert sein. Gerade, wenn man schon vorhandenes Bildmaterial vertonen möchte (siehe Tipp 3 – schneiden und kombinieren), kann man einfach Satz für satz ablesen und dem Zuhörer fällt es kaum auf. Hier habe ich eines meiner ersten Videos, bei dessen Vertonung ich Satz für Satz abgelesen habe. Der große Vorteil hier ist, dass man jeden einzelnen Fachbegriff sauber einsetzen kann und vorher genau planen kann, welche Fachbegriffe wann wie erwähnt werden sollen. Das Video wird weniger redundant und es fällt leichter, die Schwerpunkte in Betonung und Zeitrahmen auf die wesentlichen Lerninhalte zu setzen. Leider kostet das Ausformulieren eines solchen Drehbuches eine Menge Zeit. Deshalb sollte es immer unser Ziel sein, später nurnoch mit Stichpunkten zu arbeiten. Hier ein Beispiel für ein späteres Video mit stichpunktartigem Script. Ein solches Video ist wesentlich schneller erstellt. Allerdings läuft man Gefahr, Details zu vergessen, sich zu versprechen und ab und zu mal nicht den gewünschten Fachbegriff zu verwenden. Hier gilt: Übung macht den Meister. Irgendwann ist man vielleicht sicher genug, gesamte Sachverhalte völlig ohne Notizen zu erklären, wie es der Herr Jung macht.

Schritt 3: Die ersten Effekte – schneiden und kombinieren
Die Möglichkeit, Videos zu schneiden, macht die Aufnahme deutlich entspannter. Ein Video, dass ich ohne Schnitte im Ganzen fehlerfrei durchsprechen musse, kann ich nun in einzelne Abschnitte teilen, die ich so lange wiederhole, bis ich diesen Teil perfekt aufgenommen habe. Hinterher schneide ich alle Fehlversuche raus. Das geht mit Programmen wie iMovie (IOS) oder Windows Movie Maker. Ein etwas ausführlicheres Video dazu, gibt es hier. Auch direkt auf Youtube ist das möglich, allerdings nicht sehr komfortabel.

Schritt 4: Austausch mit Kollegen
Mit dem ersten Video wird man selbst noch nicht so ganz zufrieden sein. Das zweite oder dritte kann man dann schonmal ein paar Kollegen zeigen. Und ja, es gibt sie. Die Kollegen, die dann gleich total viel zu meckern haben, obwohl sie es selbst nicht besser könnten. Am besten einfach ignorieren. Im Kollegium gibt es mit Sicherheit mindestens einen Kollegen, der auch Lust auf das Drehen von Videos hat, vielleicht sogar schon eigene Erfahrungen gesammelt hat und konstruktives Feedback geben kann. Und mit diesem Kollegen macht es dann gleich doppelt so viel Spaß und die Ergebnisse sind doppelt so gut.

Schritt 5: Organisation der ersten Lernvideos
Die ersten selbsterstellten Lernvideos sind noch ziemlich leicht zu finden. Über den noch leeren Youtube-Account findet man sie relativ schnell und ein Link ist schnell in z.B. ein Word-Dokument eingefügt. Das kann aber auch relativ schnell unübersichtlich werden. Tipps um die selbsterstellten Videos schnell zu finden, gibt es im nächsten Absatz.

Schritt 6: Erstellen eigener Animationen
Um eigene Animationen zu erstellen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten geht es mit Software, die konkret dafür erstellt wurde. Ein sehr intuitives Programm mit vielen Möglichkeiten ist Explain Everything für iOS (iPads). Ausschließlich in diesem Programm können einzelne Szenen angelegt, Bilder und Videos eingefügt und alles kommentiert und animiert werden. Eine weitere sehr gängige Variante ist die Arbeit mit Powerpoint. Wie bei einem Vortrag werden Folien vorbereitet, Bilder, Texte, Videos und Animationen eingefügt und anschließend mit einem Screenrecorder wie der Open Broadcaster Software aufgenommen und gleichzeitig vertont.

Schritt 7: Kombination unterschiedlicher Methoden
Je mehr Videos man erstellt, umso häufiger erlebt man die Grenzen einzelner Programme. Mit Explain Everything kann man zwar zweidimensional animieren und ein Video sehr gut strukturieren. Eine schöne Hintergrundgrafik sollte jedoch mit einem Grafikprogramm vorbereitet werden, damit sie in Explain Everything genutzt werden kann. Geogebra bietet tolle Möglichkeiten, geometrische Figuren und Körper zu animieren. Leider fehlt eine Option zur Aufnahme dieser Animation. Dadurch bin ich irgendwann aus einer Kombination unterschiedlicher Programm gelandet. Auf dem Windows-PC habe ich mit dem Screenrecorder OBS die Animationen aus Geogebra aufgenommen, die ich anschließend auf dem iPad in meine Lernvideos in Explain Everything eingefügt habe. Je komplizierter es wird, umso Zeitaufwändiger wird es jedoch auch. Man sollte sich also immer überlegen, was man für die Vermittlung des Lerninhalts tatsächlich bracht. Und man sollte immer kleine Schritte machen und ein Programm nach dem anderen erlernen. Sonst ist man schnell frustriert und gibt auf, bevor das erste Video fertig ist.

Schritt 8: Vernetzen?
Das Wichtigste an den Videos ist letztlich, sie innerhalb weniger Sekunden verfügbar zu machen. Im Unterricht kann ich es mir kaum leisten, 3 Minuten nach einem Video zu suchen. Und letztlich ist es für eine einzelne Lehrkraft kaum möglich, zu allen Unterrichtsthemen nach dem Unterricht selbst Videos zu erstellen. Deshalb muss man sich auch Gedanken darüber machen, wie man eigene und auch fremde Videos organisieren und bereit stellen kann. Außerdem gibt es bereits viele Kolleginnen und Kollegen, die sich auf einen ähnlichen Weg gemacht habt. Verschiedene Portal versuchen, diese Lehrkräfte und ihr zur Verfügung gestelltes Material zusammen zu bringen. Sehr populär ist aktuell auch der Gedankenaustausch über Twitter.

Lernvideos organisieren und verfügbar machen

Es gibt viele tolle Videos im Internet. Vielleicht hat man selbst schon das eine oder andere dazu beigesteuert. Im täglichen Unterricht ist es nun von zentraler Bedeutung, die Videos schnell finden und öffnen zu können. Wenn meine Schüler daran scheitern, das Video zu öffnen, spielt es keine Rolle, wie gut es ist. Wenn ich im Unterricht länger als 20 Sekunden brauche, um ein Video zu finden, werde ich vermutlich nicht häufig Videos einsetzen. Die eleganteste Lösung wäre natürlich ein Learning Management System (LMS), in das man Videos einbinden kann. Dazu muss die Schule natürlich über ein solches Verfügen. Ein nicht zu unterschätzendes Problem dabei ist der Speicherplatz. Ein Lernvideo wird, je nach Auflösung, schnell mehrere hundert Megabyte groß. Nutzen viele Lehrkräfte ein LMS, das auf einem Server in der eigenen Schule gespeichert wird, benötigt man eine enorme Menge an Speicherplatz. Dieses Problem kann umgangen werden, indem man eine externe Plattform, wie zum Beispiel Youtube, nutzt. Natürlich bringt das Vor- und Nachteile mit sich. Fakt ist aber, dass quasi ausnahmslos jeder Jugendliche Youtube kennt, und weiß, wie man auf Youtube Videos findet. Haben die Schülerinnen und Schüler also ein Gerät mit Internetzugang, sind auf Youtube hochgeladene Videos für jeden Lernenden innerhalb von Sekunden erreichbar. Youtube-Videos können dabei in drei unterschiedlichen Zugangsstufen hochgeladen werden. Private Videos sind nur für den Ersteller des Videos sichtbar. So kann man erstmal das eigene Video in Ruhe anschauen und eventuell bearbeiten, bevor man es veröffentlicht. Danach kann es auf zwei Arten veröffentlich werden: gelistet oder nicht gelistet. Ein gelistetes Video wird von Suchmaschinen angezeigt. Mit Hilfe von sogenannten Tags, also Suchwörtern, kann es über die Youtube-Suche gefunden werden. Wird das Video nicht gelistet, ist es zwar öffentlich zugänglich, kann aber ausschließlich über einen direkten Link erreicht werden, den nur der Ersteller des Videos kennt.
Auf diese Weise kann man entscheiden, ob das Video für alle (und damit auch alle anderen Lehrer und Schüler) vorgeschlagen wird, oder nur für eine selbst ausgesuchte Personengruppe. Was dabei fehlt, ist die Möglichkeit, den Zugang auf die genannte Personengruppe zu beschränken, Ich kann meine Schüler nicht davon abhalten, den Link zum Beispiel an andere Klassen weiterzugeben.
Ein sehr praktisches Feature sind in diesem Zusammenhang die Playlists auf Youtube. Statt für jedes Video einen Link freigeben zu müssen, kann für eine gesamte Playlist ein Link erzeugt werden. Mehrere Videos werden so in einer festgelegten Abfolge hintereinander abgespielt. Die Schülerinnen und Schüler können dann immer wieder die Playlist aufrufen und mit einem Klick zum richtigen Video in der Playlist gelangen. In einer solchen Playlist können auch Videos anderer Youtuber zusammengefasst werden. Man könnte also, ohne selbst je ein eigenes Videos erstellt zu haben, den Lernenden eine Sammlung professioneller Videos anderer Youtuber zusammenstellen. Das erweitert die Möglichkeiten enorm. Videos von Experimenten, die man selbst nicht durchführen kann, oder von Tieren, die es in Deutschland einfach nicht gibt, oder von Pyramiden, der Tundra, Ausgrabungsstätten, Weltraumaufnahmen etc. können leicht verfügbar gemacht werden und sind auf Youtube in der Regel schon vorhanden.

Dieser Link zur Playlist muss natürlich verteilt werden. Den Link abzutippen ist mühsam und fühlt sich bei einem Medium, dass den Unterrichtsalltag erleichtern soll, nicht richtig an. Eine elegantere Lösung dafür sind QR-Codes. Ein QR-Code ist ein kleines Bild, dass sich aus vielen kleinen schwarzen und weißen Quadraten zusammensetzt und funktioniert im Wesentlichen wie ein Bar-Code an der Supermarktkasse. Die Quadrate sind in einem bestimmten Schema angeordnet, aus dem sich der Link rekonstruieren lässt. Man benötigt dazu eine QR-Scanner-App. Mit dieser fotografiert man das QR-Bild ab und es erzeugt automatisch aus dem Foto den Link und ruft ihn direkt auf.
Die daraus resultierenden Möglichkeiten sind vielfältig. Man könnte mit dem Beamer einen QR-Code projezieren und dadurch jede beliebige Internetseite, jedes hochgeladene Video und jede Playlist von den Lernenden aufrufen lassen. Man könnte außerdem QR-Codes auf Kärtchen verteilen oder auf Arbeitsblätter drucken. Dann könnten die Schülerinnen und Schüler passend zur aktuell zu bearbeitenden Aufgabe das zugehörige Video anschauen, den zugehörigen Text aus dem Internet abrufen oder zu einem Diskussionsforum, zum Download einer App oder einer gemeinsam bearbeiteten Mindmap weitergeleitet werden.

Ein vom Prinzip ähnlicher Ansatz mit völlig anderem Ergebnis ist Augmented Reality. Augmented Reality verbindet virtuelle Elemente mit der realen Welt, indem Bilder, Videos oder Animationen in eine Videoaufnahme der echten Welt eingefügt werden. Auch hier wird, ähnlich zu den QR-Codes, mit Hilfe einer Kamera die echte Welt nach einem Bild gescannt. Statt auf Grundlage des Bildes an einen Link im Browser weitergeleitet zu werden, wird jedoch das Bild selbst in der Live-Aufnahme durch ein neues Bild, ein Video oder eine Animation ersetzt. Hat man bereits ein Lernvideo erstellt, dass dort nun eingefügt werden soll, dauert das Verknüpfen des Videos mit dem Bild nur wenige Minuten. Die Hier verwendete App nennt sich Aurasma. Zum Erstellen und Hochladen einer solchen Verknüpfung, vom Entwickler „Aura“ genannt, benötigt man einen Kanal bzw. einen Account bei Aurasma. Soll nun beispielsweise ein Schüler auf diese App zugreifen, benötigt er selbst lediglich die App ohne eigenes Benutzerkonto. Innerhalb der App muss einmal der Kanal des Lehrers abonniert werden. Anschließend werden automatisch alle Bilder, zu denen die Lehrkraft Auras erstellt hat, in Videos übersetzt.

Die letzte Variante zur Organisation digitaler Inhalte, die ich kurz ansprechen möchte, ist eine eigene Homepage. Diese ist in der Regel mit Kosten verbunden. Für diese Homepage hier zahle ich 15€ pro Jahr und verwende als Grundlage für die Seite WordPress. Außerdem muss man erstmal Zeit investieren, bis die Seite eingerichtet und ordentlich strukturiert ist. Danach geht das Bearbeiten und Hinzufügen von Beiträgen jedoch genau so schnell, als würde man ein Worddokument bearbeiten und bieten einen schnellen und zuverlässigen Zugriff auf alle Inhalte, die man zur Verfügung stellen möchte.

Lernvideos von Lernenden erstellen lassen (in Arbeit)

Hier kommt nun die versprochene Überraschung für die Biologen.Ich habe ein ganz besonderes Video einer Lehrerin gefunden, die detailliert beschreibt, wie man Schülerinnen und Schülern die Proteinsynthese mit Hilfe von Stop-Motion-Videos beibringen kann. Dabei erstellen die Lernenden die Videos selbst.

Ein solcher Einsatz von Lernvideos erfordert aber doch einiges an Vorbereitungszeit und methodischer und didaktischer Überlegungen. Ein paar Tipps:

  • Lasse ich die Schüler Software einsetzen, dann sollte ich sie selbst intensiv ausprobiert haben.
  • Welche Art von Video fokussiert die Konzentration der Schülerinnen und Schüler aus den Lerngegenstand?

Gerade bei Lernvideos, die von Lernenden erstellt wurden, muss dringen auf mögliche Rechtsverletzungen geachtet werden.

Wie auch die Legetechnik eignen sich diese beiden Varianten besonders gut für den Einsatz mit Lernenden, da durch das Zeichnen, Bauen und Basteln von Abbildungen und Requisiten der Fokus nicht ausschließlich auch der Arbeit mit Computer liegt und die Videoerstellung noch andere Zugänge bekommt. Außerdem liegt hier besonderes Potential, da die Hauptdarsteller der Videos gezeichnet oder aus Spielfiguren sind und man sich so keine Gedanken um das Recht am eigenen Bild der Lernenden machen muss. Mehr zum rechtlichen Hintergrund gibt es im Kapitel „Material für Lernvideos erstellen und finden“.

 

Material für Lernvideos erstellen und finden

Beim Erstellen von Videos kann man sich selbst in große Schwierigkeiten bringen, wenn rechtlich geschützte Inhalte verwendet. Die Regeln dafür, was man alles nicht darf, sind recht umfangreich. Deshalb möchte ich lieber darauf eingehen, was man verwenden darf.
Abbildungen, Fotos und Aufnahmen, die ich vollständig selbst erstellt habe, darf ich grundsätzlich bedenkenlos einsetzen, solange sie keine Urheberrechte oder Persönlichkeitsrechte verletzen.
Bei den Persönlichkeitsrechten ist insbesondere das Recht am eigenen Bild relevant: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“ (§22 KUG) Es empfiehlt sich, diese Einwilligung schriftlich einzuholen, um in einem potentiellen Rechtsstreit einen rechtskräftigen Nachweis zu haben. Als Höchststrafe für Verstöße gegen dieses Gesetzt ist eine einjährige Freiheitsstrafe vorgesehen.

(§23 KUG 1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

In der Schule stellt sich diese Situation aber teilweise nochmal anders dar. Deshalb verzichte ich persönlich vollständig darauf, Fotos von Schülerinnen und Schülern für Lernvideos zu verwenden.

Urheberrechte beschäftigen sich damit, ob es erlaubt ist, beispielsweise Fotos, Videos, Tonaufnahmen oder aber auch Software, die ich nicht selbst erstellt habe, in den eigenen Videos zu verwenden. Die kurze Antwort lautet: nicht ohne Einwilligung der Person, die die Urheberrechte inne hält. Und die ist oftmals schwer zu bekommen, da man bei Material aus dem Internet nicht weiß, wer das überhaupt ist. Gruppen mit kommerziellem Interesse (zum Beispiel verlage) werden der Vervielfältigung ihrer Materialien dann oft nur mit strengen Auflagen zustimmen.

Deshalb ist es immer am einfachsten, von vorn herein eindeutig lizensierte Materialien zu verwenden. Für diese Lizensierung hat sich ein Standard durchgesetzt, sodass statt einem langen Text einfach nur ein kleines Bild reicht, um direkt zu erkennen, wie das Material verwendet werden darf. Diese Lizenzen werden als Creative Commons oder CC Lizenzen bezeichnet. Unter anderem bietet Youtube die Möglichkeit, beim Hochladen eines Videos die CC BY-Lizenz auszuwählen. Neben den CC Lizenzen gibt es auch die GNU General Public Licenses für Software. Bildungsinhalte, die eine solche Lizensierung verwenden, bezeichnet man als Open Educational Resources.
Für OER-Inhalte gibt es mittlerweile viele Portale, in denen man stundenlang durch tolle Inhalte suchen kann, siehe hier, hier, hier und hier. Teilweise findet man auch Youtube-Kanäle, die Musik zur Nutzung für Youtubevideos unter Namensnennung anbieten (zum Beispiel hier, hier, und hier; Suchbegriff: „Royality Free“).

Bei Software werden oft Nutzungsvereinbarungen mitgeliefert. Der Entwickler des Geometrie-Programms Geogebra schreiben im ersten Satz der im Programm abrufbaren Lizenzvereinbarung: „You are free to copy, distribute and transmit GeoGebra free of charge for non-commercial purposes.“ Ich darf also Lernvideos mit Geogebra erstellen, aber ich darf sie nicht monetarisieren. Für die Software meines Taschenrechners gibt es einen solchen Absatz über Lizenzvereinbarungen nicht und deshalb habe ich um eine ausdrückliche Erlaubnis des Hersteller gebeten, die Software abfilmen zu dürfen und diese auch bekommen. Auch für Software gibt es einen offenen Standard ähnlich zu den CC Lizensen mit dem Namen GNU General Public License.

Zum Weiterlesen:

http://bimsev.de/n/userfiles/downloads/gute-lernvideos.pdf

http://bildungsforschung.org/index.php/bildungsforschung/article/viewFile/188/pdff

 

Lizensiert durch